Notreaktionen

Aus alles-führerschein.at - Lexikon

Wechseln zu: Navigation, Suche

Selten, aber doch muss man als Autofahrer in Sekundenschnelle (lebens)wichtige Entscheidung treffen, um Verkehrsunfälle gerade noch zu vermeiden. Die Grundlagen für richtiges Reagieren in Notsituationen sind:

1. Man muss die richtige Notreaktion schon im Gehirn abgespeichert haben.

2. Der Stress darf nicht hoch sein, sonst reagiert man panisch, reflexartig oder starr vor Angst gar nicht.


Wenn man sich geistig vorbereitet, erhöht man die eigenen Chancen richtig zu reagieren und reduziert den eigenen Stresslevel. Häufig muss man gegen den eigenen Reflex handeln. Die richtigen Pläne sollten schon vorher im Kopf fertig sein, wodurch der Überraschungseffekt und somit die Panik reduziert wird. Hier einige Beispiele aus der Praxis, zugegeben einige der richtigen Notreaktionen sind schwierig, aber man ist ja nicht völlig chancenlos:


Richtige Notreaktion – Plan B:

Was mache ich in der ersten Sekunde…

…wenn ich im Bahnschranken eingeschlossen bin: Durchfahren, Schranken haben dafür Sollbruchstellen. Der Schaden ist jedenfalls geringer als wenn man mit einem Zug kollidiert. Geistig muss man dabei die eigenen Hemmungen überwinden, bewusst einen (kleinen) Schaden herbeizuführen. (Zur Vermeidung: nicht bei Rotlicht noch schnell in den Bahnübergang einfahren. Dies ist übrigens eines der Vormerkdelikte)

…wenn mich eine Biene sticht oder heiße Zigarettenasche hinunterfällt: Blick bewusst nach vorne, um zu sehen, ob ich nun handeln kann. Nicht reflexartig auf die Biene einschlagen oder die Asche sofort aufheben. Die Gefahr ist, dass man dabei die Lenkung verreißt. Daher Zähne zusammenbeißen und Schmerz durchstehen. In der Sekunde bekommt der Schmerz zwar Priorität in unserer Wahrnehmung. Wenn wir aber danach einen Unfall erleiden wird uns klar, dass uns durch diese falsche Prioritätensetzung viel Schlimmeres widerfahren ist.

…wenn ich mit dem Fahrzeug ins Wasser stürze: Sofort raus bzw. das kalte Wasser hereinlassen und somit Fenster oder Tür noch beim Sturz aufreißen, weil mich sonst der Wasserdruck gefangen hält – also raus aus der vermeintlich warmen schützenden Umgebung des Autos ins grausliche kalte Nass.

…wenn ich Wild auf der Straße begegne: Bremsen und geradehalten statt im Reflex verreißen. Ausweichen nur wenn es kontrolliert möglich ist, sonst bewusst kollidieren.

…wenn ein Mensch auf der Straße ist: Schwierig – eigentlich menschlich unlösbar, jedenfalls am ehesten eine Vollbremsung machen.

…wenn plötzlich Stau auf der Autobahn ist: Entsprechend bremsen und Alarmblinkanlage vorübergehend einschalten. Möglichst einige Autolängen vor dem letzten Fahrzeug zum Stillstand kommen, sodass man noch eine Sicherheitsreserve hat für den Fall, dass es ein Nachkommender nicht schafft rechtzeitig abzubremsen.

…wenn ich plötzlich mit hoher Geschwindigkeit in eine dichte Nebelwand hineinrase: Hier ist meine Umstellfähigkeit gefordert – total langsam werden und sofort die Alarmblinkanlage vorübergehend für die Nachkommenden einschalten. Mein Abstand zu einem vorderen Fahrzeug ist wichtiger als meine Angst davor, dass mir von hinten einer auffährt. Frontalkollisionen sind viel häufiger tödlich als Heckkollisionen. Außerdem, bei einem Auffahrunfall ist man fast immer schuld. Falsch: Viele fahren im Nebel zu schnell, weil sie Angst haben, dass ihnen hinten einer auffährt.

…wenn ich mich selbst oder jemand anderen nach einem Überschlag aus dem Gurt befreien muss, wenn das Fahrzeug am Dach liegt: Der Sicherheitsgurt spannt und geht nicht auf. Daher muss man das Gewicht herausnehmen, indem man sich so verkeilt, dass man das Gesäß in den Sitz drücken kann. Der Gurt ist dann entspannt und geht auf. Wichtig: Einen Hand über den Kopf, sonst fällt man auf das Dach und verletzt sich erst recht. Dies ist schwierig und kann in einem Überschlagsimulator geübt werden. Ein Gurtmesser sollte man im Auto immer dabei haben und zwar in unmittelbarer Reichweite.

…wenn es zu einem Brand im Tunnel kommt: Wenn es geht noch hinausfahren, wenn nicht, den Schlüssel für die Rettungsmannschaften stecken lassen, sich orientieren wo der kürzere Fluchtweg ist und in welche Richtung der Rauch zieht und fliehen. Nicht im Auto verweilen. Die meisten sterben durch Rauch, nicht durch das Feuer. Daher möglichst ein (feuchtes) Tuch vor das Gesicht halten. Weiter unten ist eher weniger Rauch als oben.

…wenn ich bei starkem Regen oder Schneetreiben überhole und plötzlich behindert Spritzwasser oder Schneematsch meine Sicht: Meist kann man sich kurz beim linken Seitenfenster orientieren. Eventuelle das Überholmanöver abbrechen.

…wenn ich auf der Autobahn eine Reifenpanne habe: Achtung Lebensgefahr. Man kann auch bei bester Absicherung und mit Warnwest von z.B. müden LKW-Fahrern übersehen werden, daher so weit wie möglich weg vom Fahrstreifen und den Pannendienst rufen.

…wenn ich von einem anderen Fahrzeug plötzlich geschnitten werde: Nicht im Reflex, sondern kontrolliert reagieren – also nicht planlos verreißen, notfalls bewusst kollidieren – lieber ein kleiner Blechschaden als Schleudern und Abkommen von der Fahrbahn.

…wenn ich als Motorradfahrer stürze: Nicht im Reflex am Lenker festhalten, sondern gegen den eigenen Reflex bewusst lösen und möglichst abrollen. Das Motorrad fällt sonst auf einen drauf, es ist schwer, z. T. heiß und hat drehende Teile.


Tipp: Spielen Sie diese und noch mehr Situationen as und zu gedanklich durch. Man nennt dies Lernen durch Mentaltraining. Es gibt keine Garantie, dass sie dann in der Notsituation richtig reagieren, aber es erhöht ihre Chancen. Natürlich soll sie die Beschäftigung damit nicht ängstigen. Zu viel Angst ist genauso schlecht wie völlig angstlos zu sein. Das mittlere Maß ist realistisch: Respekt vor der Gefahr.

Persönliche Werkzeuge