Drogen

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Drogen am Steuer werden bei Verkehrskontrollen durch die Polizei mit einem Vortestgerät erfasst. Die Speichelvortestgeräteverordnung des Bundesministers für Inneres trat am 10.3.2017 in Kraft. Das Vortestgerät "P.I.A. 613S" analysiert: Cannabis, Ecstasy, Opiate, Kokain, Methamphetamine und Amphetamine. Laut Kurier (7.2.2017) wurden neun Geräte (für jedes Bundesland eines) für insgesamt Euro 55.620,-- vom Innenministerium beschafft. Ist der Speicheltest positiv, hat ein Amtsarzt die Beeinträchtigung festzustellen. Die Amtshandlung vor Ort ist unter größtmöglicher Schonung des Ansehens des Probanden durchzuführen. Die Polizisten müssen für diese Drogentestung eingeschult sein. im Jahr 2019 wurden 15 neue Drogentestgeräte in Österreich angeschafft. Diese sollen insbesondere Cannabis gut nachweisen können.

Im Jahr 2016 wurden österreichweit 1.491 Fahrer wegen Drogen am Steuer angezeigt (Quelle: BMI). Das entsprach einer Steigerung zum Vorjahr um 40%. Diese Steigerung ist auf eine Zunahme an Planquadraten mit Polizeiamtsärzten zurückzuführen. 2017 wurden 2.192 und 2018 bereits 3.011 Drogenlenker von der Polizei angezeigt.


Drogen im Straßenverkehr ist ein sehr umfassendes Forschungsfeld, wobei bisher keine Grenzwerte der Gefährlichkeit je Droge für das Lenken von Kraftfahrzeugen erforscht oder festgelegt wurden. Drogen im Straßenverkehr sind grundsätzlich verboten. Es wird ein Führerscheinentziehungsverfahren eingeleitet. Drogenlenker sind Personen, die in einem durch Sucht- oder Arzneimittel beeinträchtigten Zustand, also durchaus auch durch Medikamente beeinträchtigt, ein Kraftfahrzeug lenken oder versuchen dieses in Betrieb zu nehmen. Die Feststellung erfolgt mittels Analyse verschiedener Körperflüssigkeiten (Blut, Speichel, Harn, Schweiß) oder mittels Haaranalysen. Die Behörde kann im Rahmen des Führerscheinentziehungsverfahrens eine medizinische als auch verkehrspsychologische Untersuchung sowie eine Nachschulung anordnen.


Drogenkonsumverhalten

Beim Konsumverhalten kann im Wesentlichen zwischen folgenden Gruppen unterschieden werden:


1. Der „Probierer“ ist durch eine starke soziale Anpassung gekennzeichnet, wodurch er auch Gruppen- und Konsumzwängen ausgesetzt ist. Hauptmotive sind Neugier, Erlebnishunger und der Wunsch nach Zugehörigkeit. Diese Gruppe ist überwiegend jüngeren Alters (<24) und die Persönlichkeitsentwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Dabei wird die Substanz für folgende Funktionen konsumiert: Es geht um eine Entwicklungsaufgabe, man will wissen, wer man ist und was man will, Identitätssuche, Suche nach grenzüberschreitenden und bewusstseinserweiternden Erfahrungen und Erlebnissen, Aufbau von Freundschaften, Aufnahme intimer Beziehungen, Erleichterung des Zugangs zu Gleichaltrigengruppen mittels exzessiv- ritualisierten Verhaltens, Kontaktaufnahme mit gegengeschlechtlichen Gleichaltrigen, Ablösung von der Herkunftsfamilie, Unabhängigkeit von Eltern demonstrieren, bewusste Verletzung elterlicher Kontrolle und Normen, Spaß haben und genießen, eigenes Wertesystem entwickeln, gewollte Normverletzung, Ausdruck sozialen Protests, Entwicklungsprobleme, Ersatzziele, Stress- und Gefühlsbewältigung.


2. Der „Gelegenheitskonsumenten“ ist durch unregelmäßige Substanzeinnahme charakterisiert. Die Drogenwirkung ist bereits bekannt und die Entscheidung für den Konsum wird bewusst gefällt. Motiv ist die gewünschte Wirkung der Substanz in der jeweiligen Situation (anlassbezogen). Es kommt auch zu Drogenverzicht über längere Zeit (mehrere Monate). Es finden sich keine Hinweise auf einen Kontrollverlust oder eine Form von Abhängigkeit.


3. Beim „Gewohnheitskonsumenten“ fällt die Konsumentscheidung bereits unbewusst. Die Einnahme der Substanz als auch deren Wirkung ist bereits in den Lebensalltag integriert. Es wird als „normal“ empfunden, dass z. B. am Abend beim Fernsehen ein „Joint“ geraucht wird. Der „Gewohnheitskonsument“ kauft auch selbst regelmäßig Drogen ein, legt teilweise Vorräte an. Das soziale Umfeld zeigt ebenfalls eine deutliche Affinität hinsichtlich Drogenkonsums und es bestehen gute Kontakte zum harten Kern der Drogenszene. Soziale Schädigungen bestehen noch nicht und die Gewohnheitskonsumenten sind überwiegend beruflich integriert.


4. Der „missbrauchende Konsument“ weist bereits soziale und/oder gesundheitliche Schädigungen auf. Der Konsum wird aber trotz negativer Folgen fortgesetzt. Arbeitsplatzverlust, strafrechtliche Verurteilungen, Führerscheinentzüge und Überschuldung sind hier nur als Beispiele zu nennen. Die empfundene Drogenwirkung wird höher bewertet als die möglichen negativen Folgen. Es ist daher von einer Gleichgültigkeit gegenüber negativen Verhaltenskonsequenzen und einer generell verminderten Normenorientierung auszugehen. Das Konsumverhalten ist äußerst änderungsresistent und die dadurch bedingten Folgeprobleme (Arbeitslosigkeit etc.) wirken zusätzlich verstärkend („Flucht in die Droge“).


5. Der „polyvalente Konsument“ nimmt mehrere Suchtmittel gewohnheitsmäßig ein. Er hat eine besonders unkritische Einstellung gegenüber den Gefahren von psychoaktiven Substanzen und die jeweiligen Drogen werden entsprechend ihrer funktionalen Bedeutung und Wirkung (ähnlich Bedarfsmedikamente oder Kaffee) konsumiert. Der Drogenkonsum ist fixer Bestandteil ihrer Lebensweise bzw. –kultur und dementsprechend ist auch die Änderungsbereitschaft nur sehr gering.

6. & 7. Drogenabhängige Lenker und Polytoxikomane (Abhängigkeitserkrankung von mehreren Substanzen) sind einer eigenen Typologie zuzuordnen. Die Notwendigkeit ergibt sich insbesondere durch unterschiedliche Wirkprofile. Drogenwirkungen im Gehirn sind nicht so „breitflächig“ wie die von Alkohol, sondern haben zum Teil spezifische Bindungsstellen und damit spezifischere Auswirkungen auf das Fahrverhalten.

Die wesentlichsten Substanzen

Cannabis

In einer Studie wird gefolgert, dass eine verminderte fahrrelevante Leistungsfähigkeit nach dem Konsum von 4 bis 5 ng/ml Plasma THC, einer Beeinträchtigung unter 0,5 Promille Alkohol entspricht. Die höchsten Leistungseinbußen sind in dieser Metaanalyse durchschnittlich nach einer Stunde zu finden, Einzelstudien ergeben auch noch Hinweise auf Leistungsminderungen nach 48 Stunden. Folgende weitere Beeinträchtigungen sind für den Straßenverkehr relevant: Störung des Zeitgefühls und der Bewegungskoordination, Verlängerung der Reaktions- und Entscheidungszeit, verlangsamte Signalentdeckung, Abnahme der Konzentrationsfähigkeit und des Farbunterscheidungsvermögens. Geringere Sehschärfe, Verschlechterung des räumlichen Sehens. Im Fahrverhalten sind diese Leistungsminderungen etwa in Fehleinschätzungen sowie häufigen unmotivierten Wechseln der Fahrgeschwindigkeiten, im Abweichen von der Fahrspur mit Lenkkorrekturen, im Missachten von Verkehrs- und Ampelzeichen sowie fehlenden oder inadäquaten Reaktionen auf Objekte des peripheren Gesichtsfelds zu bemerken.

Die Wirkung von Cannabis im Allgemeinen ist individuell unterschiedlich und abhängig vom THC-Gehalt, der Grundpersönlichkeit des Konsumenten, der Häufigkeit des Drogenkonsums, der Stimmungslage und dem Kontext des Konsums (Konsumsituation). Das Wirkspektrum reicht von Entspannung, Sedierung, Müdigkeit, Veränderung des Zeitgefühls, Nachdenklichkeit und Illusion tiefer Einsicht über Veränderungen des Antriebs, bis hin zu Wohlbehagen, Stimulierung, Ausgelassenheit, Lachzwang, Euphorie, Intensivierung sensorischer Erlebnisse, schwebendes Gefühl oder Halluzinationen. Durch Veränderungen auf somatischer Ebene, wie Beschleunigung der Herzfrequenz oder erniedrigte Hauttemperatur, können auch zahlreiche unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Angst oder Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Wahrscheinlich ist eine Toleranzentwicklung bei mehr als 5 Joints pro Tag über drei Wochen. Entzugssymptome wie Unruhe, Schlafstörungen, Erregbarkeit, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe, sind möglich.

Cannabis ist seit 6000 Jahren bekannt, anfangs im chinesischen und arabischen Kulturbereich (Haschisch auf Arabisch „Gras“), im fernen Osten hat Haschisch heute noch die Rolle als soziale Droge, wie bei uns der Alkohol. Cannabis wurde erstmals im Selbstversuch empirisch von Moreau de Tour (1804-1884) erforscht. Sie ist die am meisten diskutierte Droge und gibt immer wieder „guten Stoff“ für Medien und politische Diskussionen. Die indische Hanfpflanze cannabis sativa gilt als Basis verschiedener Hanfprodukte mit psychotroper Wirkung. Marihuana (abgeleitet von dem spanischen Kosenamen Maria Juana) wird aus Blüten, Blättern und Stielen gewonnen, Haschisch ist das Harz, das aus den jungen Knospen (Drüsenköpfchen) der weiblichen Pflanze austritt und ist 5 bis 10-mal stärker als Marihuana. Die Güte der Produkte hängt von Umweltfaktoren (wo und bei welcher Temperatur wächst die Pflanze) und von der Verarbeitung (Trockendauer und Temperatur) ab. Je nach Anbaugebiet und damit Farbe unterscheidet man bei Haschisch zwischen „Grüner Türke“, „Roter Libanese“, „Schwarzer Afghane“ oder „Dunkelbrauner Pakistani“. Indische Bezeichnungen, die auch den Stärkegrad angeben sind: „Bhang“, „Charas“ und „Ganja“. Die Hanfpflanze enthält ca. 20 psychoaktive Substanzen, am stärksten wirkt THC (Delta-9-tetrahydrocannabinol). Ein „Joint“ enthält ca. 0,5 bis 1 mg Marihuana mit ca. 1 bis 5 % THC. Die THC-Konzentration im Haschisch liegt bei 8 bis 12 % des Gewichts (in Einzelfällen bis 40 %), Haschisch-Öl (Pflanzenextrakt) enthält bis zu 60 bis 70 % THC. Reines THC ist praktisch nicht am illegalen Markt erhältlich. Keine nennenswerten THC-Anteile enthält dagegen Industriehanf. Marihuana wird gewöhnlich geraucht („gekifft“, Anm.: das arabische Wort kif bezeichnet die tabakartige Mischung), kann aber auch gegessen werden. Die Absorption über die Lunge geht rasch, ca. die Hälfte der inhalierten Dosis wird ins Blut aufgenommen und verteilt sich zu 2/3 im Körpergewebe. Die Maximalwirkung wird nach 30 Minuten erreicht (oral 30 bis 60 Minuten), die psychische Wirkung klingt nach ca. 3 Stunden ab (oral 3 bis 5 Stunden). THC wird über die Leber verstoffwechselt, die Ausscheidung ist durch Festsetzung von THC und dessen Metaboliten im Fettgewebe sehr langsam. Die Elimination verläuft hauptsächlich über den Darm, z. T. über die Niere. Dementsprechend ist THC im Plasma noch 6 Tage nach Konsum nachzuweisen, Metaboliten im Urin auch noch nach über einem Monat.


Ecstasy (Methoxyamphetamin/Methamphetamin)

Das Derivat MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, MDMA) ist wohl am meisten bekannt als Ecstacy-Tabletten, welche in den 80er Jahren in der Drogen- und Partyszene Eingang fand.

Für den Straßenverkehr ist relevant: geringere Verantwortungsbereitschaft, Selbstüberschätzung und Risikounterschätzung (Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit), Wahrnehmungsveränderungen, verschwommenes Blickfeld, Nachbilder und Geräuschempfindlichkeit.

Die Wirkung tritt nach 30 bis 60 min ein, die Wirkungsdauer beträgt 3 bis 6 Stunden. Im Blut ist MDMA 1 Tag, im Urin 2 bis 3 Tage nachweisbar. In niedrigeren Dosen stärkt es das Selbstbewusstsein und macht euphorisch, das Schlafbedürfnis wird reduziert, die Denktätigkeit ist beschleunigt, der Konsument handelt intuitiv, es kommt zur Gefühlsintensivierung durch provozierte Serotoninausschüttung. Des Weiteren ergibt sich eine emotionale Enthemmung, Gefühl erhöhter Konzentrationsfähigkeit, Antriebssteigerung, gesteigertes Kommunikationsbedürfnis oder Ruhelosigkeit. Dann kann es aber zu plötzlich einsetzende Müdigkeit, Erschöpfung und Gereiztheit (bis das Serotoningleichgewicht wieder hergestellt ist, kommen. Es folgen Erhöhung von Pulsfrequenz und Blutdruck, Schwitzen, Zähneknirschen (Kiefermuskelkrämpfe). Bei Überdosierung steigt die Körpertemperatur bis zur Hyperthermie (Hitzschlag) an, das Herz rast, epileptische Krämpfe treten auf, Leber und Herzmuskel können geschädigt werden. An Langzeitwirkungen werden Angst, Unsicherheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Erschöpfung, depressive Stimmung und Verfolgungswahn beobachtet.


Amphetamine

Für den Straßenverkehr sind folgende Wirkungen negativ: Überhöhtes Selbstvertrauen, Selbstüberschätzung, Aggression, verringerte Verantwortungsbereitschaft, Risikofreude und realitätsfernes Verhalten stehen mit einer erhöhten Unfallgefahr in Zusammenhang („speed pills“).

Weitere Wirkung sind gehobene Stimmung bis Euphorie, erhöhtes Selbstvertrauen, Wohlgefühl, geringere Müdigkeit, Antriebssteigerung, Leistungssteigerung bei monotonen Aufgaben, Konzentrationssteigerung, Drang begonnene Tätigkeiten weiterzuführen, verringertes Schlafbedürfnis. Unerwünschte Wirkungen ähneln jenen des Kokains, aber abgeschwächt (z. B. Herzfrequenz- und Blutdrucksteigerung). Im Entzug kommt es zu Symptome wie Erschöpfung, Verwirrtheit, tagelanger tiefer Schlaf, Dysphorie, Müdigkeit, Lethargie, Depressivität, Kreislaufstörungen sowie Bedürfnis zur Wiederaufnahme der Droge zur Linderung.

Amphetamin wurde in Anlehnung an Adrenalin in den 30er Jahren vom Chemiker Gordon Alles produziert, um Asthma bronchiale zu therapieren, da Adrenalin nicht oral verabreicht werden konnte (starker Abbau im Magen-Darm-Trakt und schlechte Resorption). Im 2. Weltkrieg wurde es missbräuchlich den deutschen, britischen und amerikanischen Piloten sowie in Japan sogar der arbeitenden Bevölkerung zur Leistungssteigerung in der Kriegsindustrie verabreicht. Als die stark euphorisierende Wirkung bei Mischung mit LSD erkannt wurde (in den 60er Jahren), entwickelte sich Amphetamin zur Rauschdroge. Im Blut sind Amphetamine 1 Tag nachweisbar, im Urin 2 bis 3 Tage. Durch Haaranalyse monatelang zurückliegender Konsum ist gegebenenfalls ebenso nachweisbar. Die Wirkung tritt bereits nach Sekunden (intravenös) bis Minuten (oral) ein, Wirkungsdauer eine halbe Stunde bis 2 Stunden nach oraler Applikation. Die Wirkung erfolgt über die strukturelle Ähnlichkeit mit den Transmittern Dopamin und Noradrenalin. Es kommt zu einer schnellen Toleranzbildung („speedfreaks“), mit der Folge einer Einnahme der bis zu 200-fachen Anfangsdosis.


Halluzinogene / Psychedelika

Psychedelika haben keinen therapeutischen Nutzen und hohe Missbrauchsgefahr. Je nach Setting und emotionaler Ausgangslage der Person sind unterschiedliche Wirkungsverläufe möglich. Neben den aktuellen Konsumfolgen können atypische Rauschverläufe und „Flashback“-Phänomene eine besondere Gefährdung bei der Verkehrsteilnahme bedeuten.


Opiate

Für das Verkehrsverhalten sind folgende Beeinträchtigungen von Bedeutung: Übermäßige Ermüdung, Erschöpfung bis Apathie, fahrig, unruhig, psychomotorische Verlangsamung, Taumeln, torkeln, verlängerter Reaktionszeit, Konzentrationsschwäche, stecknadelgroßen Pupillen sowie Wesensveränderung.

Sonstige allgemeine Wirkungen sind: Als Medikament schmerzhemmend, die emotionale Komponente wird beeinflusst (Dämpfung), die Wahrnehmungsfähigkeit für Temperatur- oder Berührungsreize bleibt bestehen. Methadon hat weniger stimmungsbeeinflussende Wirkungen, die anderen Derivate führen zu euphorischer Stimmung, sie reduzieren Angst und Unruhe, bewirken Stimmungsschwankungen, steigern das Selbstbewusstseins, häufig in Verbindung mit dem Gefühl „wie in Watte gebettet“ zu sein, mit Benommenheit und Schläfrigkeit.

Opium ist seit 6000 Jahren bekannt. Opiate sind auch heute noch die wirkungsvollsten Schmerzmittel. Sie können direkt aus dem Milchsaft der Mohnkapsel (Papaver somniferum) oder teilsynthetisch gewonnen werden. Schriften der Sumerer beschreiben 4000 v. Chr. die Wirkungen von Mohnsäften. Die chemische Substanz Morphin (in Anlehnung an den griechischen Gott der Träume) wurde erst 1803 vom 20-jährigen deutschen Chemiker Friedrich Sertürner isoliert. Mit Erfindung der hypodermischen Spritze 1853 durch Alexander Wood war auch eine effektivere Applikationsart von Morphin gefunden. Fügt man dem Morphin zwei Acetylgruppen hinzu, erhält man Heroin (Synthetisierung 1875), das fettlöslicher ist und damit schneller in das Gehirn übertritt. Es ist 3 bis 6-mal wirksamer als Morphin. Heroin kam 1898 als Hustenmittel in den Handel und wurde 1967 mit Morphinrezeptoren im Gehirn in Verbindung gebracht. Die entsprechenden Rezeptoren wurden 1973 nachgewiesen. Dadurch wurde klar, dass es auch „körpereigene Opiate“ geben muss, die sog. Endorphine.


Kokain

Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr: Im euphorischen Stadium bestehen eingeschränkte Kritikfähigkeit und eingeschränktes Urteilsvermögen, Selbstüberschätzung, Antriebssteigerung, erhöhte Risikobereitschaft, Enthemmung, Reizbarkeit, eingeschränkte Konzentration und Aufmerksamkeit. Im Rauschzustand kommt es zu Trugwahrnehmungen und Wahnvorstellungen. Das depressive Stadium kennzeichnet Erschöpfung, Reizbarkeit, Ungeduld und Blendempfindlichkeit.

Sonstige Wirkungen sind: Euphorie, Konzentrationssteigerung, Wachheit, Gedankenreichtum, Ideenflucht, Wunschbilder, gesteigertes Selbstwertgefühl, Selbstüberzeugtheit, Verlust der Selbstkritik, Gefühl der muskulären Stärke, Gleichgültigkeit gegenüber Schmerzen. Unterdrückung des Hungergefühls und der Müdigkeit. Die Entzugssymptome sind wie bei Amphetaminen Depression, Angst, Ermattung, Schwitzen, Herzklopfen, Herzschwäche, Ohnmachtsanfälle, Erregungszustände, Verfolgungswahn oder andere psychische Störungen sind ebenfalls möglich.

Kokain ist ein Alkaloid aus Coca-Blättern, es kann aber auch synthetisch erzeugt werden. Kokain wird inhaliert oder injiziert und erreicht so in kurzer Zeit eine hohe Konzentration im Blut und eine psychoaktive Wirkung. Vor über 1000 Jahren wurde Coca von den Azteken bereits für rituelle Zwecke, als Lokalanästhetikum und zur Leistungssteigerung genutzt. Verbreitet und über die Wissenschaft hinaus bekannt wurde die Substanz durch den korsischen Chemiker Angelo Mariani, der Coca-Extrakte und Wein mischte und seinen „Vin Mariani“ als Stärkungsmittel vertrieb. Auf dieser Basis entwickelte der amerikanische Apotheker Pemberton Coca-Cola. Wein wurde durch das Extrakt der Cola-Nuss, später Wasser durch Sodawasser ersetzt und Anfang des 20. Jahrhunderts Kokain aus dem Coca-Cola Rezept gestrichen. Kokain wurde 1860 vom deutschen Wissenschafter Albert Niemann isoliert und die Struktur aufgeklärt. Freud forschte 1884 an der Droge, die er von der Fa. Merck erhielt. Er war begeistert von der Wirksamkeit und setzte die Droge gegen Neurasthenie, Depression, Alkoholismus und Morphinismus („Wiener Methode“) ein. Er nahm es selbst gegen Neurasthenie und behandelte auch seinen Freund Ernst Fleischl von Marxow mit Kokain gegen dessen Morphinsucht was letztlich in einer Kokainpsychose Fleischls (und vieler anderer, die nach Freuds Methode behandelt wurden) endete und Freud herbe Kritik einbrachte. Da die Nase beim Schnupfen taub wurde, setzte man Kokain auch als Lokalanästhetikum ein.


LSD

LSD wirkt bereits in sehr geringen Dosen. Verkehrsrelevante Wirkungen sind: Realitätsverfremdung durch Halluzinationen, Situationsverkennung, Veränderung des Raum-Zeitgefühls, Stimmung euphorisch oder depressiv, Bewegungsstörungen (Koordination), Schwindel, Panik („Horror trip“), Selbstüberschätzung, Aufmerksamkeitsstörung, Gefahr von Flashbacks mit erneut überraschendem Wirkungseintritt ohne Substanzeinnahme.

Weiter allgemeine Wirkungen sind: Körperlicher Symptome (zittern, Mydriasis, Übelkeit, Schwindel). Eine psychedelische Wirkung erreicht ihr Maximum nach 1 bis 3 Stunden und hält 8 bis 12 Stunden an. Die Toleranzentwicklung geschieht bei LSD sehr schnell, physische Abhängigkeitssymptome konnten noch nicht sicher bestätigt werden. Zwischen LSD, Meskalin und Psilocybe besteht Kreuztoleranz. Die Nachweisbarkeit im Blut liegt bei 12 Stunden, im Urin etwa 1 Tag. Zahlreiche weitere Wirkungen sind typisch: Illusionen und Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Gefühl der Omnipotenz, Panikreaktionen, Begünstigung psychischer Erkrankungen, chromosomale Schäden, Verwirrtheit, Zittern, Gänsehaut, Desorientierung, motorische Unruhe, Sprechschwierigkeiten, Puls und Blutdruck erhöht.

LSD wird oral als Kapsel, Tablette oder als Flüssigkeit auf Würfelzucker in einer Menge von 80 bis 350 Mikrogramm eingenommen. Als Substanzträger dient häufig ein bunt bedrucktes, kleines Papierquadrat, meist zum Abreißen perforiert.

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