Bremsen

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Heutige Pkw bremsen mit einer Bremsverzögerung von ca. 8 Metern pro Sekunde zum Quadrat. Das ergibt beispielsweise bei 130 km/h einen Bremsweg von 81 Metern unter optimalen Bedingungen. Unter Realbedingungen ist eine Sekunde Reaktionszeit hinzuzurechen. In einer Sekunde legt man bei 130 km/h ca. 36 Meter zurück. Reaktionsweg (36 Meter) plus Bremsweg (81 Meter) ergibt den Anhalteweg (117 Meter). Der Bremsweg verhält sich immer quadratisch zur Geschwindigkeit. Das heißt: doppelte Geschwindigkeit ist nicht der doppelte, sondern der vierfache Bremsweg.


Inhaltsverzeichnis

Bremsen wichtiger als Beschleunigung

Die Beschleunigungswerte von Pkw werden intensiv beworben und die meisten Autofahrer wissen in wie viel Sekunden ihr Fahrzeug von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Weniger bekannt sind die Negativ-Beschleunigungen, also die Bremsverzögerungen, der jeweiligen Autos. Das ist erstaunlich, zumal diese Werte auch unterschiedlich sind und für die eigene Sicherheit wichtiger sind als die Beschleunigungswerte.


Achtung Reaktionszeit

Zum Bremsweg kommt im realen Straßenverkehr eine durchschnittliche Reaktionszeit von einer Sekunde, in der man völlig ungebremst weiterfährt (Berechnung: v / 3,6 = Meter pro Sekunde). Reaktionsweg und Bremsweg ergeben den Anhalteweg. Dieser ist insbesondere beim Hintereinanderfahren für den richtigen Abstand wichtig. Siehe auch Darstellung am "Bremsweg-Tacho" auf [1]. Hier werden für alle Geschwindigkeiten Reaktionsweg, Bremsweg und Anhalteweg maßstabsgetreu und in Echtzeit dargestellt.

Bremsweg-Berechnung

Für die Berechnung des Bremsweges benötigt man die Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde „v“ und die Bremsverzögerung „a“ des Fahrzeugs. Ein realistischer Wert unter optimalen Bedingungen für a ist 8 Meter pro Sekunde zum Quadrat. Somit ergibt sich folgende Formel:

Bremsweg = v2 / 2a

v= Km/h / 3,6

a= 8

Ein Bremsweg-Beispiel für 100 km/h

1. Schritt Umrechnung von km/h in m/Sek.: 100 / 3,6 = 27,8 Meter pro Sekunde

2. Schritt: 27,82 = 772,84

3. Schritt: 2a = 16 , denn a ist in unserem Beispiel 8

4. Schritt: 772,84 / 16 = 48,3 Meter Bremsweg bei 100 km/h unter optimalen Bedingungen


Für optimale Bedingungen ist ausschlaggebend:

1. trockene griffige Fahrbahn

2. gute technische Bremsanlage

3. Gummimischung und Profil der Reifen passen zur Fahrbahn

4. richtiger Luftdruck in den Reifen

5. richtige lineare Bremstechnik des Fahrers


Richtige Notbremsung

Bei einer Notbremsung ist es wichtig, dass man sofort voll auf die Bremse schlägt (nicht bloß steigt) und dass man in der Folge das Bremspedal voll durchgedrückt lässt, auch wenn das Bremspedal vibriert. Dies geschieht bei Fahrzeugen mit ABS (Antiblockiersystem). In einer deutschen Befragungsstudie gab knapp die Hälfte der befragten Pkw-Lenker an, dass die ABS-Bremse defekt sei, wenn ihr Bremspedal vibriert (Rieth, 2004). Dies ist jedoch ein Zeichen dafür, dass das ABS greift. Es wird dabei in sehr kurzen Abständen die Bremskraft gelöst und wieder verstärkt. Dadurch bleibt das Fahrzeug auch bei einer Notbremsung etwas besser lenkbar als wenn die Räder blockieren würden. Der Bremsweg verringert sich durch ABS nicht.

In einer deutschen nicht veröffentlichten Studie der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen) wurde in Fahrversuchen ermittelt, dass nur die wenigsten Lenker die oben beschriebene richtige Notbremsung anwenden. Diese richtige Notbremsung wird als „linear“ bezeichnet. Damit ist eben gemeint, sofort voll drauf zu schlagen und linear mit vollem Druck auf der Bremse zu bleiben, bis das Auto steht. Elektronische Bremsassistenten (BAS) in modernen Autos leisten genau diese lineare Bremsleistung. Durch einen raschen und starken Pedaldruck merkt das System, dass es sich um eine gewollte Notbremsung handelt und optimiert die Bremskraft. Selbstverständlich setzt das System sofort wieder aus, wenn der Fahrer von der Bremse geht.

Bei manchen Lenkern zeigte sich in genannter Studie ein „progressiver“ Bremsverlauf. Das heißt, die Fahrer stiegen zuerst zögerlich und dann immer fester auf das Bremspedal. Bei anderen zeigte sich genau das Gegenteil, nämlich die „degressive“ Bremsung. Bei wiederum anderen zeigten sich „andersartige“ Bremsverläufe. Damit ist in etwa das abgesetzte Bremsen bzw. die „Stotterbremsung“ gemeint.

Beim abgesetzten Bremsen verliert man jeweils beim Lösen der Bremse sehr viel Bremsweg. Zwar arbeitet das ABS nach demselben Prinzip, jedoch kann das elektronisch gesteuerte ABS sehr viel häufiger pro Sekunde den Bremsdruck lösen und wieder verstärken als ein Mensch. Das abgesetzte Bremsen macht nur bei einseitig glatter Fahrbahn bei einem Fahrzeug ohne ABS Sinn, um das Schleudern zu verhindern. Das richtige Notbremsen kann in einem Fahrsicherheitszentrum ohne Risiko erfahren und trainiert werden. Oft unterscheiden nur wenige Meter ob es zu einer Kollision kommt oder nicht. Mit der richtigen Bremstechnik kann man tatsächliche Meter gewinnen. In Rahmen der Mehrphasenfahrausbildung ist es in Österreich seit dem Jahr 2003 Pflicht, dass jeder Fahranfänger in einem Fahrsicherheitszentrum das richtige Notbremsen trainiert. Dabei geht es um den Abbau von Hemmungen. Das richtige Notbremsen erfordert ein Maß an Hemmungslosigkeit bzw. Aggressivität.

Das komfortable Bremsen sollte hingegen degressiv sein: zuerst fester und je näher man zum Zielpunkt kommt, etwa eine rote Ampel, desto mehr sollte man die Bremse wieder sanft lösen.

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