ABS

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Das ABS (Antiblockier-System) verhindert durch Regelung des Bremsdruckes in sehr kurzen Intervallen das Blockieren der Räder beim Notbremsen. Dadurch bleibt das Fahrzeug etwas besser lenkbar, der Bremsweg wird durch ABS nicht verkürzt.

Durch ABS wird der optimale Bremsschlupf hergestellt. Dieser liegt je nach Fahrbahnverhältnissen zwischen 10 – 30 %. Dieser Prozentsatz gibt an, wie viel Meter der Reifen abrollt, während das Fahrzeug einen Meter zurücklegt. 10% Bremsschlupf bedeutet beispielsweise, dass das Fahrzeug einen Meter zurücklegt, der Reifen aber nur 0,9 Meter abrollt. Dadurch werden die Gleitreibung möglichst gering und die Haftreibung möglichst hoch gehalten. 100% Bremsschlupf entspricht blockierenden Rädern mit ausschließlich Gleitreibung. In Gleitreibung bremst ein Fahrzeug schlechter ab als in Haftreibung. Außerdem werden bei Gleitreibung (Bremsen mit quietschenden Reifen) die Reifen auf griffiger Fahrbahn einseitig stark abgenützt.

Beim Einsetzen des ABS kommt es zu einem Vibrieren des Bremspedals. Eine deutsche Studie zeigte dazu: Knapp die Hälfte der Autofahrer glaubt, dass sie mit dem Fahrzeug in die Werkstatt müssten, wenn das ABS-Bremspedal bei starkem Bremsen vibriert (Rieth, 2004).

Im Jahr 1978 wurde das ABS von Bosch rechtlich geschützt auf den Markt gebracht und seither wurden zunehmend mehr Fahrzeuge damit ausgestattet.

Eine erste umfangreiche Studie ergab, dass baugleiche Fahrzeuge mit ABS mehr Verkehrsunfälle, bei denen die Insassen tödlich verunglückten aufwiesen, als baugleiche Fahrzuge ohne ABS. Insbesondere war der Unfalltyp Alleinunfall (nur ein beteiligtes Fahrzeug) signifikant überrepräsentiert (Farmer et al., 1997).

Die mögliche Erklärung liegt darin, dass gerade zu Beginn die Fahrer nicht richtig mit dem ABS umgehen konnten oder dass sie das Mehr an technischer Sicherheit durch einen riskanteren Fahrstil überkompensierten, was für die erhöhte Anzahl der Alleinunfälle sprechen würde. Letzterer Erklärung liegt die Theorie der Risikokompensation von Wilde zugrunde: Immer wenn mehr objektive Sicherheit geschaffen wird, kompensiert dies der Mensch durch ein erhöht riskantes Verhalten, wodurch der objektive Sicherheitsgewinn wiederum nivelliert wird.

Das Amerikanische Insurance Institute for Highway Safety analysierte die Effekte von ABS kontinuierlich und konnte in späteren Jahren keine negativen Effekte von ABS mehr feststellen. Es liegt auf der Hand, dass sich ABS als positiv durchgesetzt hat.

Last but not least wird ABS nun auch in Motorrädern eingebaut. Hier zeigt eine Studie, dass Motorräder mit ABS in den Jahren 2005-6 um 38% weniger in tödliche Motorrad-Unfälle verwickelt waren (Teoh, 2008).

Ob das eigene Fahrzeug mit einem ABS ausgerüstet ist, sieht man, indem man die Zündung einschaltet und dann müsste ein ABS-Zeichen aufleuchten, welches nach dem Motorstart wieder erlischt. Leuchtet dieses Zeichen bei laufendem Motor dauerhaft auf, so ist das ABS defekt. Wenn es beim Bremsen aufleuchtet ist das ABS gerade in Funktion.

Das richtige Bremsen kann gefahrlos in einem Fahrsicherheitszentrum trainiert werden. Im Rahmen der österreichischen Mehrphasenfahrausbildung ist dies seit dem Jahr 2003 Pflicht.


Achtung Verwechslungsgefahr seit Sep. 2017: Einführung des Alkolock in Österreich ist ab September 2017. Im Gesetz wird Alkolock als „Alternatives Bewährungssystem“ (ABS) bezeichnet. Somit besteht Verwechslungsgefahr mit dem Antiblockiersystem.

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